WISSEN FÜR DAS BESTATTUNGSHANDWERK
pietaet.orgInformationen für Bestatter

Fachbeitrag

Digitalisierung im Bestattungsunternehmen: Das Geschäft mit der Angst vor dem Anschlussverlust

Digitalisierung kann Bestattungsunternehmen entlasten, Informationen zugänglich machen und die Kontaktaufnahme erleichtern. Eine verständliche Website, eine verlässliche technische Infrastruktur und eine durchdachte Organisation können einen konkreten Wert haben. Dieser Wert muss sich jedoch an den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens und an nachvollziehbaren Ergebnissen beurteilen lassen.

Ein Angebot mit vier Prüfpunkten: Ergebnis, eigene Zuarbeit, Laufzeit und Preis.

Verkaufsdruck und Zukunftsangst

Problematisch wird es dort, wo digitale Dienstleistungen mit einer schwer überprüfbaren Zukunftserwartung verkauft werden: Wer dauerhaft investiert, soll wettbewerbsfähig bleiben, besondere Aufmerksamkeit erhalten und zusätzliche Aufträge gewinnen. Wer darauf verzichtet, muss angeblich befürchten, den Anschluss zu verlieren.

In dieser Verbindung liegt ein kritisches Verkaufsmuster. Die Angst vor wirtschaftlichem Rückstand schafft Handlungsdruck. Das Versprechen einer individuellen und exklusiven Betreuung vermittelt Sicherheit. Die Aussicht auf zusätzliche Bestattungsaufträge liefert die wirtschaftliche Rechtfertigung. Ob die erbrachte Leistung diese Erwartungen tatsächlich trägt, bleibt dabei eine eigenständige Frage.

Die entscheidende Grenze verläuft zwischen einer begründeten Handlungsempfehlung und einem Verkaufsdruck, der aus einer unbestimmten Bedrohung entsteht.

Ein konkretes technisches Problem lässt sich untersuchen. Eine fehlerhafte Kontaktmöglichkeit, unzutreffende Unternehmensangaben oder eine unverständliche Darstellung der angebotenen Leistungen können benannt und bearbeitet werden. Auch eine unzureichende Auffindbarkeit lässt sich anhand bestimmter Suchanfragen und der jeweiligen Wettbewerbssituation prüfen.

Die pauschale Behauptung, ein Unternehmen werde ohne laufende digitale Betreuung abgehängt, ist wesentlich schwerer zu bewerten. Sie lässt offen, welcher Rückstand gemeint ist, wie wahrscheinlich die behaupteten Folgen sind und weshalb gerade das angebotene Leistungspaket die passende Antwort sein soll. Aus einer möglichen Schwachstelle wird so eine umfassende Sorge um die Zukunft des Betriebs.

Für einen verantwortlichen Unternehmer kann diese Ansprache besonders belastend sein. Wer einen Betrieb führt, trägt Verantwortung für Beschäftigte, laufende Verpflichtungen und die weitere Entwicklung des Unternehmens. Eine Investition kann deshalb auch aus dem Wunsch entstehen, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Der wirtschaftliche Nutzen der Leistung wird dann möglicherweise weniger gründlich geprüft, weil bereits der Verzicht als riskant erscheint.

Die grundsätzliche Wirkung solcher Botschaften ist wissenschaftlich untersucht. Eine Metaanalyse von Melanie B. Tannenbaum und weiteren Forschenden fand, dass Angstappelle Einstellungen, Absichten und Verhalten beeinflussen können. Ihre Wirkung fiel unter anderem stärker aus, wenn zugleich eine wirksame Gegenmaßnahme vermittelt wurde. Die Untersuchung liefert einen Erklärungsansatz für die Verbindung aus Bedrohung und angebotener Lösung. Sie belegt weder die Verbreitung dieses Musters im Bestattungsmarkt noch die Absichten einzelner Dienstleister. Tannenbaum et al.: Appealing to Fear, 2015

Auf die Vermarktung digitaler Dienstleistungen übertragen, ergibt sich daraus eine wichtige Analysefrage: Wird ein Bestattungsunternehmen durch die Beratung besser in die Lage versetzt, eine Entscheidung zu treffen? Oder verstärkt die Ansprache vor allem die Sorge, ohne den Anbieter wirtschaftlich gefährdet zu sein?

Begründete Beratung

Gute Beratung macht Risiken verständlich und begrenzt sie auf das, was tatsächlich begründet werden kann. Sie erläutert den Befund, mögliche Folgen, geeignete Maßnahmen und deren Grenzen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, einen vorhandenen Zustand als ausreichend zu bewerten oder eine kleinere Maßnahme zu empfehlen. Eine Beratung, deren Ergebnis unabhängig von der Ausgangslage immer ein umfangreicher laufender Vertrag ist, muss sich dagegen Fragen nach ihrer Offenheit gefallen lassen.

Individualität und Exklusivität

Zur Angst vor dem Anschlussverlust tritt das Versprechen besonderer Betreuung. Begriffe wie „individuell“, „persönlich“ und „exklusiv“ erzeugen Erwartungen, die weit über eine technische Leistung hinausgehen können. Sie vermitteln dem Unternehmer, dass sich jemand eingehend mit seinem Betrieb beschäftigt, seine örtliche Situation versteht und seine Interessen besonders berücksichtigt.

Gerade deshalb brauchen diese Begriffe einen konkreten Inhalt. Individualität kann sich in einer gründlichen Bestandsaufnahme, eigenständigen Inhalten, einer begründeten Auswahl von Maßnahmen und einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit den Ergebnissen zeigen. Sie sollte in der geleisteten Arbeit erkennbar sein.

Ein persönlicher Ansprechpartner allein erklärt noch nicht, wie intensiv ein Unternehmen tatsächlich betreut wird. Ebenso wenig lässt sich aus einem angepassten Erscheinungsbild bereits auf eine eigenständige Strategie schließen. Entscheidend ist, welche betrieblichen Besonderheiten untersucht wurden und welche nachvollziehbaren Entscheidungen daraus entstanden sind.

Besonders kritisch ist eine Betreuung, deren Individualität vor allem im Verkaufsgespräch erkennbar wird, während die laufende Leistung weitgehend austauschbar bleibt.

Dabei ist der Einsatz derselben Module bei verschiedenen Bestattern für sich genommen kein Qualitätsmangel. Wiederverwendbare Technik kann wirtschaftlich sinnvoll sein. Gemeinsame Grundlagen können Wartung, Weiterentwicklung und die Behebung von Fehlern erleichtern. Auch eine individuell betreute Website kann auf einem System beruhen, das zahlreiche andere Unternehmen verwenden.

Die gemeinsame Modultechnik beantwortet allerdings die Frage nach der individuellen Leistung ebenso wenig wie ein individuelles Erscheinungsbild. Ein Anbieter sollte erklären können, welcher Teil seines Angebots standardisiert ist, welche Anpassungen vorgenommen werden und worin die fortlaufende persönliche Betreuung besteht. Je stärker er mit Individualität wirbt, desto deutlicher sollte dieser zusätzliche Aufwand erkennbar werden.

Auch Exklusivität braucht eine genaue Abgrenzung. Gemeint sein können eigene Inhalte, ein bestimmtes Design, die Betreuung innerhalb eines festgelegten Gebiets oder der Verzicht auf die Zusammenarbeit mit unmittelbaren Wettbewerbern. Diese Leistungen unterscheiden sich erheblich. Ein unbestimmtes Exklusivitätsversprechen lässt dem Kunden dagegen viel Raum für Erwartungen, die der Anbieter möglicherweise gar nicht erfüllen will oder kann.

Selbst ein tatsächlich eingehaltenes Gebietsschutzversprechen schafft zunächst eine bestimmte Beziehung zwischen Anbieter und Kunde. Ein daraus entstehender Wettbewerbsvorteil muss gesondert beurteilt werden. Andere Dienstleister können Wettbewerber betreuen, Suchmaschinen entscheiden über ihre Ergebnisse, und Angehörige treffen ihre Auswahl anhand verschiedener Informationen und Erfahrungen.

Die Grenzen der Einflussnahme sind gerade bei der lokalen Suche relevant. Google nennt für lokale Suchergebnisse insbesondere Relevanz, Entfernung und Bekanntheit beziehungsweise Beliebtheit. Eine Agentur kann an Teilen der Darstellung und Auffindbarkeit arbeiten. Über sämtliche Bedingungen, unter denen ein Unternehmen angezeigt wird, verfügt sie nicht. Google: Faktoren des lokalen Rankings

Sichtbarkeit, Kontakte und Aufträge

Noch anspruchsvoller wird die Bewertung, sobald zusätzliche Aufträge in Aussicht gestellt werden. Hier entsteht die stärkste wirtschaftliche Erwartung. Ein Bestattungsunternehmen kann bereit sein, erhebliche laufende Ausgaben zu tragen, wenn es davon ausgeht, dass die Betreuung neue Aufträge gewinnt oder einen andernfalls drohenden Verlust verhindert.

Diese Erwartung verlangt eine sorgfältige Erklärung. Eine verbesserte technische Qualität, mehr Sichtbarkeit, zusätzliche Kontakte und zusätzliche Bestattungsaufträge sind unterschiedliche Ergebnisse. Zwischen ihnen können Zusammenhänge bestehen. Ein Ergebnis auf einer frühen Stufe belegt jedoch noch nicht das Ergebnis auf einer späteren.

Die Google Search Console stellt beispielsweise Daten zu Impressionen, Klicks, Klickraten und durchschnittlichen Positionen bereit. Damit lässt sich untersuchen, wie eine Website in der Suche erscheint und genutzt wird. Diese Messwerte enthalten für sich genommen keinen Nachweis über erteilte Bestattungsaufträge. Google: Leistungsbericht der Search Console

Ein besonders anschauliches Detail findet sich in den Statistiken des Google-Unternehmensprofils. Die dortige Kennzahl „Anrufe“ bezeichnet nach Googles Erläuterung, wie häufig auf die Anrufschaltfläche geklickt wurde. Sie weist weder ein tatsächlich geführtes Gespräch noch dessen Inhalt oder einen daraus entstandenen Auftrag nach. Google: Leistungsmesswerte des Unternehmensprofils

Eine korrekt erhobene Kennzahl kann beim Empfänger trotzdem eine überzogene Erfolgsvorstellung auslösen, wenn ihre Bedeutung unzureichend erklärt wird. Wird ein Klick als Kontakt verstanden und ein Kontakt gedanklich bereits mit einem Auftrag verbunden, wächst die vermeintliche Wirkung der Maßnahme mit jeder unausgesprochenen Annahme.

Erfolg und Wirkung einordnen

Ein Bericht sollte deshalb verschiedene Ebenen erkennbar auseinanderhalten: die tatsächlich ausgeführten Arbeiten, Veränderungen der Auffindbarkeit, nachvollziehbare Anfragen und erteilte Aufträge. Jede Ebene hat einen eigenen Aussagewert. Werden sie vermischt, kann aus dokumentierter Aktivität der Eindruck eines wirtschaftlichen Erfolgs entstehen, der in dieser Form gar nicht belegt wurde.

Auch die Relevanz der erreichten Aufmerksamkeit muss untersucht werden. Ein Ratgeber kann überregional gelesen werden und Menschen bei einer allgemeinen Frage helfen. Das kann ein sinnvoller Zweck sein. Für ein örtlich tätiges Bestattungsunternehmen bleibt daneben zu klären, ob und wie diese Nutzung zu seiner Zielsetzung beiträgt.

Ebenso verdient die Suche nach dem Unternehmensnamen eine andere Bewertung als eine Suche, bei der noch keine Entscheidung für einen bestimmten Bestatter gefallen ist. Wer einen Betrieb bereits kennt und lediglich dessen Telefonnummer sucht, befindet sich in einer anderen Ausgangslage als jemand, der erstmals nach einem geeigneten Unternehmen sucht. Beide Zugriffe können wichtig sein. Ihre Bedeutung für die Gewinnung zusätzlicher Aufträge unterscheidet sich.

Die schwierigste Frage steckt dabei im Wort „zusätzlich“. Selbst wenn ein Auftrag nach einem Websitebesuch zustande kommt, bleibt offen, welche Rolle die Website für die Entscheidung gespielt hat. Sie kann den ersten Kontakt ermöglicht, eine Empfehlung bestätigt oder lediglich den Zugang zu einer bereits gesuchten Telefonnummer erleichtert haben.

Die Angabe, jemand sei „über das Internet“ gekommen, beschreibt deshalb zunächst einen Kontaktweg. Wie stark eine bestimmte Maßnahme die Entscheidung beeinflusst hat und ob der Auftrag ohne sie ausgeblieben wäre, ist damit noch nicht geklärt. Diese Unsicherheit gehört zu einer ehrlichen Erfolgsauswertung.

Auch ein zeitlicher Zusammenhang reicht als Erklärung nicht aus. Steigt die Zahl der Aufträge nach einer Überarbeitung der Website, können mehrere Entwicklungen zusammenwirken. Empfehlungen, Veränderungen im örtlichen Wettbewerb, andere Werbemaßnahmen und Schwankungen der Nachfrage kommen als Einflussfaktoren infrage. Ein belastbarer Bericht sollte solche Möglichkeiten berücksichtigen.

Das bedeutet keineswegs, dass jede digitale Dienstleistung einen experimentellen Nachweis ihrer Wirkung erbringen müsste. Für ein einzelnes Unternehmen ist eine vollständige Zuordnung aller Entscheidungen häufig kaum herzustellen. Praktisch sinnvoll ist eine nachvollziehbare Dokumentation dessen, was bekannt ist, ergänzt um eine klare Darstellung dessen, was offenbleibt.

Fehlende Nachweise belegen keine Wirkungslosigkeit. Sie rechtfertigen aber auch keine Gewissheit über zusätzliche Aufträge. Genau diese Grenze muss sichtbar bleiben, wenn ein Dienstleister wirtschaftliche Erwartungen weckt.

Dass nach erwarteten Ergebnissen, Zeiträumen und der Erfolgsmessung gefragt werden sollte, empfiehlt auch Google bei der Auswahl eines SEO-Anbieters. Zugleich warnt Google vor garantierten Spitzenplatzierungen. Die Qualität einer Beratung zeigt sich damit auch daran, wie verständlich sie die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten erläutert. Google: Auswahl und Bewertung eines SEO-Anbieters

Laufende Betreuung und Ausstieg

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Situation nach dem Vertragsabschluss. Eine laufende Betreuung kann ihren Preis durch Wartung, fachliche Arbeit, die Pflege von Inhalten und regelmäßige Auswertungen rechtfertigen. Voraussetzung ist, dass diese Leistungen erkennbar erbracht werden und zu den vereinbarten Aufgaben passen.

Kritisch wird eine Zusammenarbeit, wenn jede Entwicklung als Bestätigung ihrer Fortsetzung ausgelegt werden kann. Steigende Werte gelten dann als Erfolg. Stagnierende Werte begründen zusätzlichen Aufwand. Ausbleibende Aufträge werden mit einem längeren Wirkungshorizont erklärt. Eine mögliche Kündigung wird mit der Gefahr verbunden, bisher Erreichtes zu verlieren.

Für jede dieser Erklärungen kann es im Einzelfall sachliche Gründe geben. Problematisch ist ihre Kombination, wenn kein Ergebnis mehr Anlass sein kann, Umfang, Ausrichtung oder Fortsetzung der Betreuung zu hinterfragen. Dann fehlt ein Maßstab, an dem sich auch eine unzureichende Leistung erkennen ließe.

An dieser Stelle kann sich die anfängliche Angst vor dem Anschlussverlust in die Angst vor dem Ausstieg verwandeln. Der Unternehmer führt den Vertrag möglicherweise fort, weil er die Folgen einer Beendigung nicht einschätzen kann. Die Unsicherheit betrifft dann sowohl die Wirkung der laufenden Leistung als auch die Frage, welche technischen oder organisatorischen Abhängigkeiten inzwischen entstanden sind.

Eine transparente Zusammenarbeit sollte deshalb frühzeitig klären, welche Leistungen bei Vertragsende entfallen, welche Inhalte und Zugänge das Unternehmen weiter nutzen kann und welcher Aufwand für einen Wechsel entsteht. Sachlich beschriebene Folgen ermöglichen eine Entscheidung. Eine allgemeine Warnung vor wirtschaftlichem Schaden verstärkt zunächst die Abhängigkeit vom Urteil des Anbieters.

Kosten und Prüffragen

Auch die Wirtschaftlichkeit verdient eine nüchterne Betrachtung. Ein zusätzlicher Auftrag ist noch kein zusätzlicher Gewinn in Höhe seines gesamten Rechnungsbetrags. Für die Bewertung einer Maßnahme sind die damit verbundenen Kosten und der tatsächlich verbleibende Beitrag zum Unternehmensergebnis relevant. Hinzu kommen gegebenenfalls Werbeausgaben und der eigene Aufwand des Betriebs für Abstimmung, Inhalte und Kontrolle.

Digitale Betreuung kann sich außerdem durch andere Vorteile rechtfertigen: verständlichere Informationen, weniger vermeidbare Rückfragen, einen verlässlichen technischen Betrieb oder eine bessere Darstellung des Unternehmens. Solche Ziele sollten ausdrücklich vereinbart und passend bewertet werden. Sie dürfen als eigenständige Leistungen benannt und bepreist werden. Wer dagegen mit zusätzlichen Aufträgen wirbt, muss sich an dieser weitergehenden Erwartung messen lassen.

Für Bestattungsunternehmen ergeben sich daraus einige zentrale Fragen, die vor einer Entscheidung und während der Zusammenarbeit beantwortet werden sollten:

  • Welche konkrete Schwachstelle wurde festgestellt, und welche Belege liegen dafür vor?
  • Welche Leistungen werden standardisiert erbracht, welche individuell entwickelt?
  • Worauf bezieht sich die zugesagte Exklusivität genau?
  • Welche Ergebnisse werden erwartet, in welchem Zeitraum und unter welchen Voraussetzungen?
  • Welche Nachweise unterscheiden Sichtbarkeit, Anfragen und erteilte Aufträge?
  • Wie werden laufende Leistungen und sämtliche Kosten nachvollziehbar dokumentiert?
  • Wann wird geprüft, ob Umfang und Ausrichtung der Betreuung weiterhin angemessen sind?
  • Welche Möglichkeiten und Folgen hat eine spätere Beendigung der Zusammenarbeit?

Unternehmerisch entscheiden

Ein Unternehmen muss dafür kein eigenes umfassendes Fachwissen über Suchmaschinen aufbauen. Es darf verständliche Antworten erwarten. Gerade weil digitale Leistungen Spezialwissen voraussetzen, kommt der Erklärung ihrer Möglichkeiten und Grenzen eine besondere Bedeutung zu. Fachliche Komplexität begründet einen Bedarf an Beratung. Sie sollte keine dauerhafte Unklarheit über den Gegenstand dieser Beratung erzeugen.

Für die Digitalisierung des Betriebs insgesamt gilt derselbe Maßstab. Eine angeschaffte Anwendung kann Arbeit erleichtern, aber auch neue Eingaben, Abstimmungen und Kontrollen erforderlich machen. Eine neue Website kann Informationen verbessern, ohne dass sich daraus zusätzliche Aufträge nachweisen lassen. Jede Maßnahme braucht deshalb einen klaren Zweck und eine Bewertung, die zu diesem Zweck passt.

Zur unternehmerischen Entscheidung gehört ebenso die Möglichkeit, eine vorhandene Lösung beizubehalten, eine begrenzte Verbesserung vorzunehmen oder auf eine angebotene Leistung zu verzichten. Technischer Fortschritt erhält seinen Wert durch den Nutzen für das Unternehmen und die Menschen, die mit ihm in Kontakt stehen. Der Umfang eines gebuchten Pakets ist dafür kein geeigneter Maßstab.

Das Geschäft mit der Angst beginnt dort, wo die Sorge um die Zukunft zum tragenden Kaufargument wird, die versprochene Individualität unklar bleibt und der wirtschaftliche Erfolg dauerhaft behauptet werden kann, ohne nachvollziehbar ausgewiesen zu werden. Ob dieses Muster bei einem konkreten Anbieter vorliegt, muss anhand seiner Aussagen, Leistungen und Berichte beurteilt werden. Seine Verbreitung im Markt lässt sich aus einzelnen Erfahrungen nicht ableiten.

Die Forderung an digitale Dienstleister ist dennoch eindeutig: Wer persönliche Betreuung verspricht, sollte persönliche Arbeit sichtbar machen. Wer Exklusivität verkauft, sollte deren Umfang erklären. Wer zusätzliche Aufträge in Aussicht stellt, sollte seine Annahmen, Nachweise und Unsicherheiten offenlegen.

Ein Bestattungsunternehmen gewinnt durch Digitalisierung dann an Handlungsfähigkeit, wenn es Zusammenhänge besser versteht, begründet investieren und seine Entscheidungen später überprüfen kann. Eine gute Betreuung schafft dafür die Voraussetzungen. Sie muss auch eine sachlich begründete Entscheidung gegen das eigene Angebot zulassen können.

Zum Autor

Olaf Strobel ist Bestatter und Webprogrammierer. Zu seinen Projekten für die Bestattungsbranche gehören BestatterSynergie, friedhof.city, PietätPro, IMTO Network, pietaet.org und bestatterwerbung.de. Er beschäftigt sich mit regionaler Sichtbarkeit, der Organisation im Bestattungshaus und der Zusammenarbeit bei Überführungen. Weitere Informationen: BestatterSynergie.